Burnout verstehen und behandeln
Über Burnout, innere Strenge und den eigenen Leistungsanspruch
Viele Menschen mit Burnout haben jahrelang verlässlich funktioniert. Sie haben Verantwortung übernommen, hohe Anforderungen an sich gestellt und versucht, möglichst wenig Fehler zu machen. Weit über ihre Belastungsgrenze hinaus.
Irgendwann geht es nicht mehr. Die Erschöpfung bleibt auch nach dem Wochenende. Die Konzentration lässt nach, und selbst alltägliche Aufgaben kosten viel Kraft. Manche werden gereizt oder zynisch, andere spüren wenig Freude an ihrer Arbeit.
Die Ursachen sind vielfältig.
Meine These: Bei Burnout spielen neben den beruflichen Belastungen häufig auch persönliche Leistungsansprüche und der Umgang mit den eigenen Grenzen eine Rolle.
Was ist Burnout?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Burnout als berufsbezogenes Phänomen infolge chronischen, unzureichend bewältigten Arbeitsstresses. Sie nennt drei Merkmale: ausgeprägte Erschöpfung, wachsende innere Distanz oder negative Gefühle gegenüber der eigenen Arbeit und das Gefühl nachlassender beruflicher Leistungsfähigkeit.
Die äußeren Bedingungen tragen erheblich dazu bei: Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, fehlende Anerkennung, private Konflikte und wenig Gestaltungsspielraum und die Diskrepanz zwischen eigenem Anspruch und der Realität.
Perfektionismus, Selbststrenge und eigener Leistungsanspruch
Betroffene setzen sich selbst unter Druck, den ihnen kaum jemand von außen auferlegt. Sie müssen zuverlässig sein. Fehler sind schwer auszuhalten. Eine Aufgabe bleibt im Kopf, bis sie möglichst perfekt erledigt ist. Wenn etwas misslingt, beginnt Selbstkritik, Zweifel.
Dahinter stehen Überzeugungen wie zum Beispiel:
- Ich darf keine Fehler machen.
- Ich muss alles im Griff haben.
- Ich darf niemanden enttäuschen.
- Wenn ich weniger leiste, bin ich weniger wert.
Von außen gelten diese Menschen häufig als besonders belastbar. Sie übernehmen zusätzliche Aufgaben, springen für Kollegen ein und helfen, wo sie können. Eigene Grenzen werden dabei oft übergangen.
Tiefenpsychologisch betrachtet kann hier ein strenges Über-Ich eine Rolle spielen. Der eigene Wert wird zunehmend an Leistung und Pflichterfüllung geknüpft. Zusätzlich werden Emotionen, wie Schwäche oder Überforderung nicht oder zu wenig nach Außen kommuniziert.
Wer seinen Wert durch Leistung beweisen muss, wird mit sich selbst kaum zufrieden sein.
Wer Ruhe erst verdienen muss, kommt nie an
Viele wissen längst, dass sie sich überfordern. Sie wissen, dass sie weniger arbeiten, Grenzen setzen oder sich mehr Erholung zugestehen sollten. Und trotzdem machen sie weiter.
Solange Ruhe sich wie Versagen anfühlt, kann selbst ein gut gemeinter Rat zusätzlichen Druck auslösen. Fehler führen zu Selbstvorwürfen, manchmal auch zu Scham.
Im Umgang mit Fehlern zeigt sich diese innere Strenge besonders deutlich. Ein kleiner Irrtum genügt, und schon beginnt die Selbstabwertung. Anderen Menschen gesteht man Fehler zu. Bei sich selbst gelten strengere Regeln.
Manche Menschen verzeihen anderen fast jeden Fehler. Sich selbst verzeihen sie kaum einen.
Wie spreche ich mit mir, wenn etwas schiefgeht? Was erlaube ich mir? Welchen Wert habe ich, wenn ich gerade wenig leiste?
Solche Fragen können in der Therapie wichtig werden.
Woher der Maßstab kommt
Unsere inneren Maßstäbe entwickeln sich im Laufe des Lebens. Persönliche Erfahrungen und frühe Beziehungserfahrungen können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Wer als Kind vor allem für Leistung, Anpassung oder Zuverlässigkeit Anerkennung erhielt, kann daraus die Überzeugung entwickeln, sich Zuwendung verdienen zu müssen. Manche Kinder mussten früh Verantwortung übernehmen. Andere wurden häufig kritisiert oder beschämt.
Denkmuster, die früher hilfreich waren, können später zu einem inneren Antreiber werden. In der Therapie betrachten wir deshalb auch die persönliche Lebensgeschichte und die Entstehung solcher Überzeugungen.
Burnout oder Depression?
Anhaltende Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und zunehmender Rückzug können auch auf eine Depression hinweisen. Kommen Interessenverlust, Niedergeschlagenheit oder starke Selbstabwertung hinzu, ist eine diagnostische Abklärung besonders wichtig.
Auch körperliche Erkrankungen können Erschöpfung verursachen, etwa Schilddrüsenerkrankungen oder eine Anämie. Eine ärztliche Untersuchung ist deshalb sinnvoll.
Burnout und Depression können sich überschneiden. Die diagnostische Einordnung ist für die weitere Behandlung wichtig.
Burnout behandeln: Was in der Therapie wichtig ist
Zunächst betrachten wir die aktuellen Belastungen und mögliche Veränderungen im beruflichen Alltag. Manchmal sind eine ärztlich begleitete Krankschreibung, eine Reduktion der Arbeitsbelastung oder Veränderungen am Arbeitsplatz notwendig.
Daneben beschäftigen wir uns mit den persönlichen Mustern, Ängsten, die Überforderung verstärken und Erholung erschweren können.
Ich arbeite integrativ. Mit verhaltenstherapeutischen Methoden lassen sich beispielsweise überhöhte Ansprüche, ungünstige Bewältigungsstrategien und Schwierigkeiten beim Setzen von Grenzen bearbeiten. Die biografische und tiefenpsychologische Perspektive hilft, die Entstehung und Hartnäckigkeit bestimmter Überzeugungen besser zu verstehen.
Dazu gehört auch Selbstakzeptanz. Und manchmal ein Begriff, mit dem sich viele zunächst schwertun: Selbstliebe.
Ich verstehe darunter einen freundlicheren und weniger abwertenden Umgang mit sich selbst. Eigene Schwächen und Fehler anerkennen zu können. Sich Erholung zu erlauben, auch wenn noch Aufgaben unerledigt sind. Den eigenen Wert weniger von Leistung und Anerkennung abhängig zu machen.
Auch mit unseren Schwächen und Fehlern müssen wir leben können.
Gerade bei Menschen, die über Jahrzehnte hohe Anforderungen an sich gestellt haben, braucht diese Veränderung häufig Zeit.
Weitere Informationen finden Sie auf meinen Seiten Stress und Erschöpfung und Therapeutische Arbeitsweise.
Psychotherapie bei Burnout in Hagen
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